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Vertrauensbildung - Überblick

Trustbuilding-Programm

Dienstag, 26. Mai 2020


Die Projektteams unseres Trustbuilding-Programms zum Aufbau von Vertrauen arbeiten daran, Gräben in ihrem Land zu überbrücken. Aktuelle Themen und Fragestellungen in den jeweiligen Ländern wurden durch die Ereignisse der Vergangenheit geprägt und müssen angegangen werden, um die Zukunft neu zu gestalten. Wie beeinflusst die Welt von heute die Arbeit dieser Projekte?

 

Kanada

Photo by Gabriela Custódio de Silva on Pexels

Während des ersten Schulungswochenendes des Vertrauensbildungsprojekts in Quebec entstand ein tieferes Verständnis für Kanada als Kolonialstaat, wobei viele Fragen auf die erste Ansiedelungen und die politischen Institutionen, die damals aufgebaut wurden, zurückgehen. Diese Themen beeinflussen auch die französisch-englische Spaltung in Quebec, die zu Reibungen innerhalb des Landes führt. Mehrere Teilnehmende des Trainings waren neu in Kanada eingewandert. Sie wussten nichts über die Situation der indigenen Völker und fanden die Diskussionen sehr bewegend.

Die Sprachkluft in Quebec ist ausserdem eng mit der katholischen Kirche verbunden. In den 1970er Jahren wurde die katholische Kirche aus der staatsbürgerlichen Planung und öffentlichen Bildung herausgenommen. Dies ist ein komplexes Thema ist, das nicht direkt diskutiert wurde. Die meisten Menschen über 60 stehen der katholischen Kirche wegen angeblicher Missbräuche, die zu dieser Zeit stattgefunden haben sollen, äusserst feindselig gegenüber. Die 40- bis 60-Jährigen empfinden weniger Misstrauen, da sie nicht direkt den Missbräuchen der Kirche ausgesetzt waren, aber dennoch den Glauben ihrer Eltern übernommen haben. Viele klammern sich an die Idee des Säkularismus und lehnen Religion im öffentlichen Raum ab. Dies ist auch ein Grund für die antimuslimische Rhetorik.

Kenia

Photo by Janko Ferlic on Canvas

In Kenia ist das Team in zwei Regionen tätig, in denen unterschiedlich starke Spannungen herrschen. Eine der wichtigsten Herausforderungen in Garissa ist der Zusammenbruch des Vertrauens zwischen Menschen muslimischer und christlicher Herkunft, was zu Radikalisierung führt. Es gibt viele Spannungen zwischen beiden Gruppen, insbesondere nachdem im Januar dieses Jahres drei Lehrer getötet worden wareb. Der Vertrauensbildungs-Workshop im vergangenen Monat hat jedoch gezeigt, dass die Teilnehmenden entschlossen sind, etwas gegen diesen Vertrauensbruch zu unternehmen, indem sie sich an verschiedene Gemeinschaften wenden, um Angst zu neutralisieren und an der Wiederherstellung des Vertrauens zu arbeiten.

In Mombasa ist die Spannung anders und weniger sichtbar als in Garissa. Die Menschen sind empfänglich und bereit, auf andere zuzugeheb, sich mit Jugendlichen zu engagieren und über Fragen der Radikalisierung zu sprechen. Mombasa ist eine überwiegend islamische Region, in der die meisten Christinnen und Christen die Lehren des Islam nicht kennen, während Musliminnen und Muslime das Christentum in grösserem Maße verstehen. Das Trustbuilding-Programm bietet Gelegenheit zur Koexistenz und zur Vertiefung des Verständnisses.

Frankreich

Photo by Flavio Gasperini on Unsplash

In den Vorstädten von Paris herrschen schwierige wirtschaftliche und soziale Bedingungen und im Laufe der Jahren fanden dort verschiedene Unruhen und Konfrontationen statt, bei denen es zu schweren Zusammenstössen zwischen Jugendlichen und der Polizei kam. Die Spannungen haben sich in jüngster Zeit aufgrund der Coronavirus-Sperre verschärft und am 20. Mai musste die Bereitschaftspolizei eingreifen, als Jugendliche Autos in Brand setzten.

OUI ACT arbeitet in diesen unruhigen Vorstädten, den so genannten Banlieues, mit Kindern aus Migrantengemeinschaften zusammen, die zumeist aus Afrika südlich der Sahara stammen. Sie initiieren Gespräche mit jungen Menschen, um Brücken zu bauen und ihnen die Chance zu geben, sich Gehör zu verschaffen. Eine der wirkungsvollsten Veranstaltungen im Rahmen dieser Gespräche ist ein Treffen, bei dem junge Menschen mit einem Polizeibeamten sprechen können.

 

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Das Trustbuilding-Programm befasst sich international und national mit Konfliktthemen. Voraussetzung ist hierbei die Überzeugung, dass nur Menschen, die sich persönlich mit dem Aufbau von Vertrauen auseinandergesetzt haben, weltweit Spaltungen überwinden können. Das Programm wurde 2019 in Kenia, Kanada und Frankreich von Initiativen der Veränderung ins Leben gerufen.