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Tracie Mooneyham in Asia Plateau (photo by Armaan Dua).

Raum statt Ort

Tracie Mooneyham über ihre Erfahrungen beim indischen "Lead for Change"-Programm

Dienstag, 29. Mai 2018

 

« Und, wie findest du deine Zeit hier in Asia Plateau ? » , wurde ich am Frühstückstisch gefragt. Obwohl es ein guter Freund war, der mir die Frage stellte, war ich trotzdem leicht genervt. Ich war nur drei Tage zuvor nach Panchgani gekommen und jonglierte noch zwischen Jetlag, Abgabeterminen und der Arbeit im Zusammenhang mit dem Programm Lead for Change, für das ich nach Indien gereist war.

Als ich in sein fröhliches Gesicht sah, vergass ich schnell meinen Ärger darüber, dass mir dieselbe Frage in den letzten drei Tagen schon zehn Mal gestellt worden war. « Ganz ehrlich », sagte ich, « Ich frage mich jetzt schon, wie ich Asia Plateau mit nach Hause nehmen kann. » Er wusste, dass ich nach einem ersten Besuch im Januar diesen Jahres zum zweiten Mal im indischen Konferenzzentrum von Initiativen der Veränderung/MRA war und sah mich an. « Ich liebe diesen Ort », sagte ich. « Und es ist toll, hier zu sein. Dennoch frage ich mich, wieviele Leute das « toll » nur mit dem Äusseren, mit dem Ort verbinden. »

Als ich im Januar nach Asia Plateau gereist und mit dem Kommunikationsteam unterwegs war, hatte ich kaum Zeit für mich. Ich hörte Geschichten von IofC-Mitgliedern aus aller Welt, die über verändernde Momente sprachen, die in Asia Plateau passiert waren. Als ich abreiste, hatte ich das Gefühl, das indische Disneyland zurückzulassen. Die friedliche « Seifenblase », die Asia Plateau als Ort umgibt, hatte mich selbstverständlich in ihren Bann gezogen.

Dieses Mal aber war anders. Lead for Change war vielseitig und frisch. Die Teilnehmenden waren ausschliesslich Inderinnen und Inder und kannten IofC nicht und es gab daher keine Geschichten von "Wendepunkten". Dennoch waren sie aller voller Elan und Eifer, um mehr zu tun und ihr Leben zu verändern. Dies war meine Chance, beim Nachdenken in die Tiefe zu gehen! Dennoch kam mir die Unterhaltung vom Anfang immer wieder in den Kopf. "Sei ruhig, ich versuche mich, auf meine innere Stimme zu konzentrieren", sagte ich mir selbst und schob dieses Gespräch zur Seite. Ich hatte Angst, die wahre Asia Plateau-"Erfahrung", die andere IofC-Mitglieder hatten, würde mir entgehen. Aber eine Mediation unter Anleitung löste mich von diesen Erwartungen.

Ich lehnte das Konzept, bei dem mir gesagt wurde, was ich machen sollte, ab. Dennoch wollte ich offen sein, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir legten uns mit einem Kissen auf den Boden und sollten unsere Gefühle unter die Lupe nehmen. Nachdem ich ein paar Minuten lang auf dem Boden gelegen und mein Kissen an meine Brust gedrückt hatte, hörte ich eine Stimme: "Es geht um den Raum, nicht um den Ort."

 

"Hör mal, innere Stimme, was um Himmels willen willst du mir sagen? Es geht um Raum? Was für einen Raum? ICH BIN IN EINEM RAUM! Obwohl, warte mal", dachte ich. Plötzlich war alles klar. Denk an Disneyland. Disneyland ist ein zauberhafter Ort, aber dieser Zauber ist nicht greifbar. Disneyland ist ein Ort der Vorstellung, der Geschichten und der glücklichen Zufälle. Nichts davon kann man anfassen, fühlen, sehen. Dennoch finden diese Erfahrungen an einem Ort statt und unser beschränkter Verstand verbindet diese Erfahrungen mit dem Ort.

Tracie Mooneyham in Asia Plateau (photo by Armaan Dua)

Die Umgebung, der Raum ist es, was ich mitnehmen kann. Letztendlich bin ich alleine dafür verantwortlich, Raum in meinem Lebenzu schaffen, heiligen Raum. Ich denke, es ist der Ort, der diese innere Verwandlung möglich macht.

DAS ist es, was ich aus Asia Plateau mit nach Hause genommen habe. Aber es war ein tiefer Moment, der mir erlaubt hat, aktiv zu werden, weil ich zugehört habe, herbeigeführt durch die Menschen, die ich bei IofC getroffen habe. Sie haben verstanden, was Raum bedeutet, weil sie diesen Weg vor mir gegangen sind. Sie laden an einen Ort ein, der es erlaubt, inneren Raum zu entdecken. Namaste, meine Freunde!

Jetzt denke ich darüber nach, wie viele von uns eigentlich nur "hören" und nicht "zuhören". Dies ist etwas, das ich in meiner Generation sehe. Es herrscht Misstrauen gegenüber dem, was nicht greifbar ist. Wir finden uns innerhalb einer Religion wieder, ohne zu begreifen, was Glauben bedeutet. Wir sehen, was Religion auslösen kann und wollen damit nichts zu tun haben. Und daher glauben wir nur, was wir sehen und wissen nicht, wie wir dem Vertrauen schenken können, was man nicht sieht. Das Ergebnis ist eine Loslösung von der inneren Stimme, die uns leitet. Was habe ich also gelernt? Zeige anderen, dass es Raum gibt und nicht nur den Ort.

 

Fotos: Armaan Dua

 

Tracie Mooneyham arbeitete während ihrer College-Zeit für verschiedene Bekleidungsunternehmen. Sie ist derzeit für eine Familienstiftung als Programm- und Stipendienleiterin tätig. Sie engagiert sich ausserdem ehrenamtlich für Initiativen der Veränderung International, die American Association of University Women und die Interfaith Community of Greater Richmond. In ihrer Freizeit fährt sie Kajak, arbeitet gerne im Garten und macht Fotos für Instagram.

ANMERKUNG:  Menschen aus vielen Kulturen, unterschiedlicher Nationalität, Religion und Glaubensüberzeugungen arbeiten aktiv bei Initiativen der Veränderung mit. Dieser Kommentar bringt die Meinung der Verfasserin und nicht notwendigerweise die Überzeugung von Initiativen der Veränderung als Ganzem zum Ausdruck.