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Frank Buchman
IofC - Eine inklusive Narrative
Initiativen der Veränderung
Mittwoch, Januar 10, 2018
Author: 

IofC - Eine inklusive Narrative

Ein Kommentar von Howard Grace / Grossbritannien

Der Film Der Mann, der Frieden schuf ( ein Film über das Leben und Friedenserbe eines Mannes, von dem Sie vielleicht noch nie gehört haben und der die Welt sehr beeinflusst hat) ist sehr hilfreich, um das Erbe von IofC genauer unter die Lupe zu nehmen. Genau betrachtet bietet der Film Gelegenheit, eine Perspektive einzunehmen, die helfen kann, mit den Herausforderungen der Welt von heute umzugehen. 

Ein kürzliche Diskussion im Anschluss an eine Filmvorführung bei uns zuhause liess mich darüber nachdenken, welche spirituellen Aspekte allen Menschen gemein sind. Ich spreche hier bewusst von "spirituell" und sage nicht "religiös", denn meiner Meinung nach findet sich hier eine Dimension wieder, die das allgemeine Denken über Interreligiosität übersteigt. Die hier angesprochene Frage betrifft nicht nur unsere IofC-Gemeinschaft, sondern wirkt sich auch auf Konflikte und Dilmmas überall auf der Welt aus.

Wir hatten vor allem acht Freunde, die nichts mit IofC zu tun haben, eingeladen. Ausser uns waren Freunde aus verschiedenen christlichen Gemeinden, ein buddhistischer Glaubensführer, ein in der Gegend angesehener Muslim und ein Quäker-Ehepaar anwesend. Meiner Meinung nach war eine Filmvorführung vor einer solchen Gruppe sehr hilfreich, um ehrliches Feedback zu erhalten.

SIe wussten alle über meine Arbeit mit Mehr als Vergebung Bescheid und in meiner Einladung schrieb ich: "Imad Karam (Regisseur von "Mehr als Vergebung") hat einen neuen Film über das Leben des Gründers von Initiativen der Veränderung, Frank Buchman, gedreht. Ich möchte diesen an einem Abend einigen Freunden zeigen, um darüber auszutauschen, was euch dazu wichtig geworden ist."

Bei meiner Einführung zum Film sagte ich unter anderem, ich selbst hätte Buchmam nie getroffen. Er starb, bevor ich die MRA kennenlernte. Aber ich fragte mich, was mir als militantem Atheisten bei einer Gruppe, die aus der spirituellen Erfahrung eines christlichen Pfarrers entstanden war, so anziehend erschienen war. Und warum beschloss ein muslimischer Filmregisseur, einen Film über diesen Mann und seine Botschaft zu drehen? Was könnten wir ausserdem von diesem Abend mit nach Hause nehmen, um die Herausforderungen dieser Welt von heute anzugehen?

Nach dem Film war es offensichtlich, dass der Film allen gefallen hatte. Unter anderem interessierte es sie, dass Imad als Muslim ähnlich Ziele wie Buchman verfolgte. Was war das Besondere an Buchmans Erfahrungen und seinem Ansatz, um die verschiedensten Menschen anzuziehen und eine Zusammenarbeit zu ermöglichen - und nicht nur Christen? Einige kommentierten, der Film ende praktisch mit dem Tod Buchmans. Andere, denen IofC nicht wirklich bekannt war, interessierten sich wirklich für die Tatsache, dass die Bewegung noch immer existiert und dass Caux (das sie im Film gesehen hatten) nach wie vor aktiv ist.

Ich war ebenfalls auf die Namensänderung eingegangen und hatte erklärt, es heisse "Initiativen der Veränderung", nicht "für" oder "aus der". Dies schien unseren Freunden einzuleuchten.

 

Wegzeiger nach vorne

In jüngster Zeit wurde innerhalb von IofC über den spirituellen Kern unserer Gemeinschaft diskutiert. Sind es christliche Grundlagen, religionsübergreifende oder sind sie auf bestimmte Weise noch viel inklusiver? Einige Kollegen sind davon überzeugt, dass "Gott" im Zentrum stehen müsse. Für jene Freunde ist das Wort "Gott" das natürlichste Wort der Welt, um eigene Erfahrungen und die Kontinuität ihrer persönlichen Reise oder der Reise anderer Religionen auszudrücken. Das Problem ist, dass egal, wie auch immer wir empfinden mögen, für viele - vor allem im Westen - das Wort "Gott" so viele unangenehme oder unglaubwürdige Assoziationen mit einer dogmatischen Religion aufwirft, dass die Herzen und Köpfe sich bei der blossen Erwähnung des Wortes verschliessen. Mir selbst geht es auf jeden Fall so.

Dies bringt mich zurück zu der Frage, warum ich, als Londoner Student, mich an der Keswick-Erfahrung Frank Buchmans nicht gestört habe, obwohl sich seine religiöse Weltansicht so sehr von der meinen unterschied? Nach der Filmvorführung von "Der Mann, der Frieden schuf" bei uns zuhause diskutierte die Gruppe u.a. seine menschliche Erfahrung im Kampf mit Wut und Stolz, die zu seiner Veränderung in Keswick führte. Unsere muslimischen und buddhistischen Freunde konnten sich damit ebenso identifizieren, wie ich es als Atheist vor fünfzig Jahren gekonnt hatte.

Einige in unserer Gruppe hatten ein paar Wochen zuvor an einem Event mit Jean Paul Samputu (Ruanda) und Maria Shahzad, einer jungen muslimischen Freundin, teilgenommen, wo dem Publikum die Gemeinsamkeiten eines, trotz unterschiedlicher religiöser Überzeugungen, inneren Kampfes zu Herzen gegangen war.

Sehen Sie hier das 10-minütige Video.


Jean Paul Samputu (Foto: Howard Grace)

Wir sprachen ebenfalls über den Atheisten Letlapa Mphahlele. Mphahlele sagte, als Ginn Fourie ihm einige Jahre nach dem Tod ihrer Tochter, an dem er verantwortlich war, vergab, hätte dies tief in seinem Inneren etwas verändert und ihm seine Menschlichkeit zurückgegeben. Seiner Meinung nach war dies eine spirituelle Erfahrung. Einige unserer Freunde gingen ausserdem auf die "Mehr als Vergebung"-Initiative zum Thema "Mehr als Gruppenzugehörigkeit - Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Menschlichkeit" ein. Manche nennen es lieber "Auf dem Weg zu einer geteilten Menschlichkeit".

In der Welt mag es zwar empfehlenswert sein, Gemeinsamkeiten des Glaubens zu suchen, dennoch sind es oft reale, starke, unterschiedliche doktrinische Überzeugungen (wie auch die menschliche Natur und andere Faktoren), die im Vordergrund stehen und Konflikte anfachen. Daher können wir auch davon ausgehen, dass wir uns bemühen sollten, uns mit "menschlichen Erfahrungen" als vereinendem Faktor zu befassen anstatt uns auf Religion zu konzentrieren.

Wenn man über Buchmans persönlichen inneren Kampf in Keswick hinausblickt, dann fühlen die meisten von uns mit den Juden und anderen Völkern, die in den nationalsozialistischen Todeslagern so schrecklich gelitten haben, tiefstes Mitgefühl. Die aktuelle Flüchtlingskrise ist ein weiteres Beispiel für menschlich ausgelöste Tragödien. Die schrecklichen Erfahrungen der Menschen bei Naturkatastrophen, wie dem Tsunami 2014 gehen uns zutiefst zu Herzen. Dieses Mitgefühl scheint in unseren Herzen verankert zu sein, unabhängig von Religion oder unserem Glauben. Bei alltäglicheren Erfahrungen fühlen die meisten von uns zutiefst mit Eltern, die ihr Kind verloren haben oder mit obdachlosen Menschen.

Auch dies weist auf eine "menschliche Erfahrung" (die sich eher mit dem Herzen als mit dem Verstand befasst), die Christen, Muslimen, Buddhisten, Hindus oder Atheisten grundsätzlich wichtig sind.

Die Menschen mögen verschiedenen Religionen angehören, doch ich vermute, dass viele von uns mit Papst Franziskus übereinstimmen, der behauptet, wenn es darum gehe, zwischen Doktrin und Mitgefühl zu entscheiden, sei Mitgefühl das Wichtigste. Als Christ erscheint mir dies genau das zu sein, was auch Jesus gesagt hätte.

Ausserdem liegt darinn ein moralischer und spiritueller Kern verborgen, unabhängig von Religion, womit sich IofC identifizieren kann. Es scheint mir, dies könne ein Schlüssel dafür sein, was wir aus dem Film in Bezug auf unsere IofC-Gemeinschaft und deren Entwicklung mitnehmen können, um mit anderen zusammenzuarbeiten und auf die Herausforderungen der Welt von heute einzugehen.

 

Howard Grace ist einer der Gründer des West Bekshire-Forums für Frieden und Integration. Er ist für IofC tätig und hat bislang Hunderte von Workshops für Sechstklässler in ganz Grossbritannien durchgeführt. Er ist ausserdem geschäftsführender Produzent des Films "Mehr als Vergebung".

ANMERKUNG:  Menschen aus vielen Kulturen, unterschiedlicher Nationalität, Religion und Glaubensüberzeugungen arbeiten aktiv bei Initiativen der Veränderung mit. Dieser Kommentar bringt die Meinung der Verfasserin und nicht notwendigerweise die Überzeugung von Initiativen der Veränderung als Ganzem zum Ausdruck.

"Der Mann, der Frieden schuf" ist im IofC-Online-Shop erhältlich.