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Schranken durchbrechen und Vertrauen aufbauen

Von Barry Hart / USA

Sonntag, 10. März 2019
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Ein Kommentar über Vertrauensbildung von Barry Hart (USA), Mitglied des internationalen Rats von Initiativen der Veränderung.

 

Eine Schranke behindert oder trennt - wie die physische Barriere einer Mauer. Doch ausser diesen physischen Schranken gibt es psychologische Barrieren, die weitaus problematischer sind. Sie führen dazu, dass wir uns von anderen emotional trennen oder verletzen durch Worte und Handlungen die Würde und zentrale Menschlichkeit einer andere Person oder Gruppe. Diese Schranken verletzen zutiefst und werden oft durch eigene Verletzungen oder unser Ego verursacht und nicht nur durch das Verhalten anderer Menschen.

 

Vertrauen wird durch Zutrauen in eine andere Person definiert, in deren Verlässlichkeit. Das bedeutet, dass wir auf ihre Zuverlässichkeit und Glaubwürdigkeit bauen können. Selbstverständlich wissen wir normalerweise, wann wir jemandem trauen wollen oder nicht - wir spüren intuitiv, ob eine Person verlässlich und ehrlich ist, integer handelt und fair denkt. Doch wir wissen nicht immer - erst viel später, wenn es schon zu spät ist -, wenn wir verletzt oder zutiefst getroffen wurden.

Wenn wir unseren Ärger und unsere Gefühle darüber, verletzt, entwürdigt oder ausgenutzt worden zu sein, verarbeiten, können wir Vertrauen besser aufbauen. Dazu brauchen wir Verständnis und praktische, handlungsorientiert Fertigkeiten, um Schritte nach vorne zu gehen. Verständnis entsteht, wenn wir in uns hineinhorchen und zu verstehen versuchen, aus welchem Grund wir gedemütigt wurden - welche Rolle wir dabei gespielt haben und warum die andere Person sich so verhalten hat. Dies ist kein leichter Prozess und bedarf eines starken Willens, eine Form der Heilung zu schaffen oder die Beziehungen zu der anderen Person oder Gruppe erneut aufzunehmen. Vergessen Sie hierbei nicht historische Probleme, bei denen vielleicht ein Teufelskreis der Gewalt zwischen Ihnen und der anderen Person (oder Gruppe) über eine bestimmte Zeit hinweg bestand. Lassen Sie nie ausser Acht, was in der Vergangenheit geschehen ist - und warum -, wenn Sie sich wirklich weiterentwickeln wollen.

Die folgenden Werte und Schritte sind beim Aufbau von Vertrauen wichtig:

  1. Der Wille, sich selbst unter die Lupe zu nehmen. Austesten, ob unsere Werte der Ehrlichkeit und Integrität, Würde und Liebe richtig gelebt werden oder ob daran gearbeitet werden muss.
  2. Weisheit und Hilfe anderer suchen, um den Prozess zu ermöglichen.
  3. Einen Weg zum Dialog finden. Dies geschieht am Besten direkt zwischen Menschen, jedoch auch durch verlässliche Mediatoren.
  4. Keine Meinungen, sondern Bedürfnisse und Interessen ansprechen. Bedürfnisse und Interessen sind mit unserem Dasein als Mensch, unserer Identität und Würde oder unserem Sinn nach Werten und Wert verknüpft. Bei Meinungen geht es um "Ich habe recht und du hast unrecht."
  5. Arbeiten Sie daran, den Schmerz der Vergangenheit einzugestehen und zu sehen, wann die Zeit reif ist, zu vergeben oder um Vergebung zu bitten. Bitten Sie nicht vorschnell um Vergebung und vergeben Sie nicht zu schnell.
  6. Sprechen Sie über juristische Fragen, die Wiedergutmachung einschliessen, z.B. durch direkte finanzielle Wiedergutmachung, Stipendien, Spenden an Wohltätigkeitsorganisationen, soziale Dienste für Geschädigte etc.
  7. Schaffen Sie einen "sicheren Ort" und geben Sie dem Prozess genügend Zeit.

Wenn der Vertrauensprozess so angegangen wird, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Versöhnung und spiegelt den Ruf nach einer Verbindung durch Liebe - denn darin liegt unsere höchste Berufung.

 

Dr. Hart und Autor Rob Corcoran, der ebenfalls IofC-Mitglied ist, leiten vom 23. - 31. Mai 2019 an der Eastern Mennonite University einen Kurs zum Thema "Vertrauensbildung: Auf dem Weg zu einer Justiz der Beziehungen und nachhaltigen Veränderung". Klicken Sie hier für ausführliche Informationen.

About the Author

Barry Hart ist Professor für Trauma, Identität und Konfliktstudienn am Zentrum für Justiz und Friedensförderung der Eastern Mennonite University/USA. Dr. Hart leitete Workshops über psychosoziale Traumaverarbeitung, Friedensbildung und Versöhnung in mehr als zwanzig Ländern und arbeitete fünf Jahre lang auf dem Balkan, wo er Programme zur Trauma- und Konfliktverarbeitung für Schulen, Gemeinden und religiöse Führungspersönlichkeiten entwickelte. Er war von 1997 - 2010 akademischer Leiter des Caux Scholars-Programms und ist Mitglied des internationalen Rats von Initiativen der Veränderung