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Peace Circle in Kabul
Creators of Peace-Friedenskreise in Kabul und Damaskus
Creators of Peace (CoP)
Mittwoch, November 15, 2017

Creators of Peace-Friedenskreise in Kabul und Damaskus

Creators of Peace (CoP)

"Zum ersten Mal fühle ich mich frei." Diese Worte einer CoP-Teilnehmerin in Afghanistan spiegeln die Freude und Ängst von Frauen, die seit Jahren mit Krieg, Armut und sozialen Einschränkungen konfrontiert werden, wieder. Shabnam Hamrah aus Afghanistan und Iman Al Ghafari aus Syrien berichten über Friedenskreise in ihren Ländern.

 

Peace Circle in Kabul

 

"Der Wunsch nach Veränderung muss tief aus dem Inneren kommen. Er muss im Organismus verwurzelt sein." Im heutigen Afghanistan spielen Frauen mehr denn je eine Rolle bei den Friedensprozessen in ihrem Land. Dies ist Teil des neuen Afghanistan.

Am 5. Oktober 2017 organisierten Shabnam Hamrah und Hajer Waris in Kabul einen CoP-Friedenskreis. Dreizehn Frauen kamen zusammen, um über den Frieden zu sprechen. Wie kommt Frieden zustande, wie wird er zerstört? Was sind innerer Friede, das innere Hören, die Kraft der Vergebung und wie sieht Frieden in der Praxis aus? Die Teilnehmerinnen sprachen über Probleme und diskutierten die Frage nach persönlichem Wohlbefinden sowie dem Wohlbefinden der eigenen Familie und Gemeinschaft.

Im Rahmen der Friedenskreise sprachen einzelne Frauen über ihre Geschichte und Traumata, die sie in der Vergangenheit erlebt haben und die sich nach wie vor auf ihr Leben auswirken. Sie begannen, die Ursachen der Probleme zu verstehen und sich damit auseinanderzusetzen, wie sie ihre Umstände ändern können. Durch Gespräche und Zusammenarbeit lernten die Teilnehmerinnen im Laufe des fünftägigen Programms die Kraft der Liebe, Vergebung, des inneren Friedens und des inneren Hörens kennen. Prozesse der Vergebung mit bestimmten Menschen, Gruppen oder Umständen, die Traumata in ihrem Leben verursacht hatten, kamen in Gang und die Frauen lernten, sich selbst zu vergeben.

Jahrzehntelanger Krieg und Anarchie haben nicht nur das Land zerstört. Sie haben Menschen seelische und emotionalen Schaden zugefügt. Ausser dem Ablauf des Friedenskreises wurden Stressmanagement und Kindererziehung diskutiert. Zwei Uni-Lektorinnen, Zainab Abulfzil und Nargis Akhlaqi, sprachen über Techniken zum Abbau der emotionalen und psychischen Auswirkungen von Stress und zum Aufbau friedlicherer Ansätze bei aktuellen Problemen. Wir untersuchten ausserdem Möglichkeiten, um Stress durch inneres Hören abzubauen.

 

Peace Circle in Kabul

 

Zahra, eine Teilnehmerin des Friedenskreises, sprach darüber, wie Krieg, Armut und Unsicherheit im Land sich auf ihr Leben ausgewirkt haben. Sie verlor ihren Mann unter dem Taliban-Regime und musste schon sehr jung die Verantwortung für die ganze Familie übernehmen. Während sie sich bemühte, die Familie durchzubringen, erlebte sie Schweres, Not und Belästigungen. Sie sagte: "Dies ist das erste Mal, dass ich mein Herz öffne und einer Gruppe von Frauen meine Geschichte erzähle. Es ist vermutlich das erste Mal, dass ich mich von sozialen Einschränkungen völlig frei fühle."

Als Moderatorin der CoP-Friedenskreise ist mir klar, dass der Weg zum Frieden lang ist und wir noch Berge von Arbeit zu überwinden haben. Wir können zwar Menschen einen Moment lang von aussen her zum Handeln anregen, aber nachhaltiges Handeln, das für ein wahres, andauerndes Ergebnis notwendig ist, kann nicht von aussen nach innen getragen werden. Es muss von innen kommen, es muss im Organismus verwurzelt sein. Das Programm der CoP-Friedenskreise kann eine grossartige Möglichkeit sein, durch die Veränderung menschlicher Motive und Verhaltensweisen an einem Wandel der Gesellschaft mitzuwirken, wodurch Veränderung immer bei uns selbst beginnt.

Shabnam Hamrah

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Männer und Frauen, Christen und Muslime bei einem gemeinsamen Friedenskreis in Syrien

Iman Al Ghafari schreibt aus Damaskus   

Im letzten Jahr wurde ich von Zouhair gefragt, ob es ein Creators of Peace-Programm für Männer gäbe. "Wenn ihr Frauen den Männern gleichberechtigt sein wollt, meint ihr nicht, es wäre wichtig für uns Männer, an den Friedenskreisen teilzunehmen?", fragte er. 

Der Friedenskreis wurde mit 3 Männern und 6 Frauen verschiedener Glaubensrichtungen an der Damascus Independant Academy abgehalten. Es war eine Reise auf der Suche nach Frieden inmitten eines Krieges.

 

Peace Circle in Damascus

 

Schulleiterin Sabah Nahasthe sagte: "Ich will, dass meine Schule sich dafür einsetzt, die Menschheit zu verbessern, damit wir inneren Frieden finden und gute Lehren verbreiten."

Der Friedenskreis schuf neue Freundschaften. Wir hatten ehrliche Gespräche zwischen Christinnen, Christen, Musliminnen und Muslimen, bei denen respektvoll diskutiert wurde. Als Moderatorin beobachtete ich sorgfältig, aber ich habe gelernt, dass es wichtig ist, tiefgehende und ehrliche Fragen zu stellen, so lange wir lernen und nicht kritisieren möchten und solange wir uns mit unserem Tonfall und unserer Frageweise gegenseitig respektieren.

Einen Friedenskreis mit einer religionsübergreifenden Gruppe durchzuführen war ein Traum und er wurde Wirklichkeit!

Rahaf kommentierte: "Durch unsere früheren Treffen mit unseren christlichen und muslimischen Freunden in Beirut/Libanon und durch den simplen Austausch von Geschichten und Ideen wurden Schranken eingerissen. Die CoP-Friedenskreise haben mich gelehrt, dass wir, wenn wir uns dessen, was um uns herum geschieht, bewusst sind und wir uns ein bisschen bemühen, Frieden zwischen Konfliktparteien zu schlichten, Gottes Willen auf Erden - nämlich diese Erde aufbauen und Frieden verbreiten - tun."

Nach dem Friedenskreis sagte Zouhair abschliessend: "Ich habe viele Dinge vom Friedenskreis gelernt. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, innerlich im Frieden mit sich selbst zu sein, um mit Menschen anderer Religionen und Herkunft gute Beziehungen aufbauen und sie bedingungslos lieben zu können. Indem ich auf meine innere Stimme höre, kann ich mit dem Druck des Alltags umgehen. Indem ich mir meine Absichten, Gefühle, Ängste und Beweggründe bewusst mache, kann ich selbst einen Reinigungsprozess durchlaufen, um meine Motive zu reinigen und der Welt gut zu dienen. Indem ich meine Sorgen und Ängste verstehe, kann ich mit Widerständen beim Aufbau von Frieden, sowohl auf persönlicher als auch globaler Ebene, besser umgehen und dadurch ein Friedensstifter sein und vergeben. Wenn wir anderen vergeben können, macht uns das stark!"

Zum Abschluss des Friedenskreises sahen wir den Film "Der Imam und der Pastor" im Dar Alnour-Hotel, einem Haus im alten arabischen Stil. Wir sahen dort den Film und tauschten über das aus, was wir von Creators of Peace und dem Film gelernt hatten. Thanaa sagte über den Film: "Wir brauchen solche Imams und Pastoren in Syrien. Wir brauchen so eine Initiative, um unser Land harmonisch und in Frieden aufzubauen." Unser Friedenskreis wird sich weiterhin zu gemeinsamen sozialen Einsätzen treffen.

Ich möchte mich sehr herzlich bei Schulleiterin und Friedenskreis-Teilnehmerin Sabah Nahas für ihre Erlaubnis bedanken, den Friedenskreis an ihrer Schule durchzuführen. Vielen Dank auch an IofC Kanada und andere Freunde, deren Geldspenden es uns ermöglichte, aus unserer "Box" herauszukommen, unsere Erfahrungen von Frieden und Menschlichkeit zu erweitern und dadurch Schranken, die Konflikte schaffen, einzureissen. Danke auch an unsere Nachbarn von IofC Libanon für ihre Gastfreundschaft und Unterstützung. Ein weiteres Dankeschön geht an die internationale Familie von Creators of Peace.

Iman Al Ghafari